in_memoriam

Der Glaube an Zauberei und Tiermenschen gehörte lange Zeit zum alltäglichen Leben. Hexensabbat und Teufelsbuhlschaft wurden als ebenso real angesehen,
wie Ritte auf Besen und Flugsalbe aus Säuglingshaut. So verschieden die Vorwürfe der Hexerei auch waren, eins eint alle verhafteten Hexen und Zauberer:
sie waren (aus heutiger Sicht) unschuldig. Dieses Projekt erinnert an Opfer, deren Geschichte im Laufe der Zeit nicht gänzlich verloren gegangen ist.

 

Die aufgeschnittenen Handtaschen stellen die an die Öffentlichkeit gezerrte Intimität dar. Die Buchdeckel von alten Gesangbüchern und Bibeln erinnern nicht nur an

die Rolle der kirchlichen Inquisition, sondern sie verweisen auch auf die Erfindung des Buchdrucks, durch den die massenhafte Verbreitung des „Hexenhammers“ und

anderer Hetzschriften erst möglich wurde. Die Objekte im Inneren der Taschen stellen Bezüge zu Anklage und Prozessführung dar oder sind Symbole der Unschuld.

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in_memoriam, Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg
in_memoriam, Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg

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in_memoriam, Ausstellung "Aberglaube" im LWL Archäologischen Landesmuseum, Herne
in_memoriam, Ausstellung "Aberglaube" im LWL Archäologischen Landesmuseum, Herne

 

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in_memoriam

Agnes Kremer


Wird von sechs Frauen (alle hingerichtet) als „Teufelsfrau“ besagt.

Ihr Mann (als Hexer 1637 in Siegburg zerfoltert und hingerichtet) gibt unter

der Folter an, sie auf dem Siegburger Marktplatz beim Hexentanz gesehen zu haben.
Anklage wegen Schadenzaubers. Sie bestreitet, eine Raupenplage verursacht zu haben,

gesteht nach zweimaliger Folter allerdings, zwei Schweine („zwey Verken“) mit Quecksilber vergiftet zu haben, und weitere hexentypische Delikte wie Sex mit dem Teufel und

Teilnahme am Hexentanz.

Hingerichtet. Verbrannt.
19. Dezember 1637, Siegburg

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Sophia Agnes von Langenberg

Klarissin im Kloster St. Klara, Köln

Gilt als Heilige.
Wird wegen „Teufelsbesessenheit“, teuflischen Täuschungen (ein blutendes Kreuz

in ihrer Zelle) und dem verhexen von Nonnen (Besessenheit) inhaftiert.
Denunziert unter der Folter u. a. Katherina Henot.
Verurteilung wegen Hexerei und „anderer Excesse“.
Wird in ihrer Zelle erdrosselt und auf dem Freidhof zu Hettighofen –

wahrscheinlich außerhalb der Umfriedung – beerdigt.
Anzunehmen ist, dass ihre Zofe auch verurteilt und hingerichtet wurde.

30. Januar 1627 Lechenich

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in_memoriam


Greta Bünichmann

Allein stehende Dienstmagd

Anklage wegen Hexerei und Schadenzauber. Soll für den Tod von 29 Pferden

verantwortlich sein und sich nachts in eine Katze verwandelt haben.

Hat ihren Arbeitgeber angeblich durch Handauflegen von Krankheiten geheilt.
Folter. Beteuert ihre Unschuld.
Unter weiterer schwerer Folter gesteht sie letztlich alles, was das Gericht von ihr

hören will, zudem wird ihr der Tod eines der Kinder des Arbeitgebers zur Last gelegt.
Angeklagt wird sie duch ihren Arbeitgeber, der ihr eine größere Summe Geld schuldet.

Enthauptung. Verbrannt.
23. Juni 1635 Münster, Galgenheide

1993 soll eine Straße nach ihr benannt werden. Anwohner und Pfarrer

(bezeichnet sie als „mutmaßliche Kriminelle des Mittelalters“) protestieren.

Der Beschluss wird dennoch durchgesetzt.

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in_memoriam


Kunigunde Meurer


Anklage und Inhaftierung wegen Schadenzauber/Anhexen
von „ ... hochbeschwerlicher Krankheit ...“ und Impotenz.
Mehrfache Befragungen mit Zeugenaussagen. Leugnet Hexenkunst.
Nach Auffinden von Teufelsmalen (Pigmentflecken) der Folter übergeben. Kein Geständnis. Weitere Folterungen mit Aufziehen an den Armen und einem Gewichtstein an den Füßen, Beinschrauben und Peinstuhl. Bestätigt nach 24 Stunden auf dem Nagelstuhl alles, was das Gericht hören will.
Verurteilung wegen Teufelsmalen, Teufelsbuhlschaft und dem Besuch vom Hexensabbat.
Sie besaß nur 3 Schafe und einen kleinen Garten.


Erdrosselt. Verbrannt.
16, September 1636, Siegburg, Brückberg

Mit Kunigunde Meurer wird die Siegburger Prozesswelle von 1636 bis 1638 und ca. 40 Opfern eingeleitet.

in_memoriam


Sibylla Vogelsang


ca. 60 Jahre alt

Ihr Fluchtversuch bei ihrer Festnahme wird als Schuldeingeständnis gewertet.
Ihr werden Glaubensfrevel, Schadenzauber und Buhlschaft
mit dem Teufel zur Last gelegt. Weil sie nicht gestehen will,
wird sie mehrfach schwer gefoltert.
Sie stirbt unter der Folter auf dem Peinstuhl (Nagelstuhl).
Bei der Leichenbesichtigung wird durch das Gericht fest-
gestellt, dass der Teufel ihr das Genick gebrochen hat um
weitere Aussagen zu verhindern.
Keine Freigabe zur Beerdigung, stattdessen unrechtmäßige Verurteilung (kein Geständnis) als Hexe.


Verbrannt.


 

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Christina Plum

24, Obstverkäuferin

Bezichtigt sich selbst als Hexe. Inhaftierung. Denunziert bei Verhören viele Mitglieder

der Kölner Oberschicht und des Klerus. Wird unter der Auflage zu schweigen frei gelassen.
Sie hält sich nicht daran.
Erneute inhaftierung und weitere Verhöre. Unter der Folter denunziert sie weitere

hochgestellte Personen auch im Gerichtsaal Anwesende. Panik bricht aus.
Sie wird nur noch unter größter Vorsicht weiter verhört und gefoltert.
Geständnis von Hexenkunst unter der Folter. Verurteilung.

Im Tausch gegen ihren „Widerruf der Denunzierungen“ erkauft sie
sich die Gnade der Erdrosselung.

Verbrannt.
16. Januar 1630 Köln, Melaten

Mit Christina Plum werden die Verhörprotokolle und Namenslisten verbrannt um

die Besagten der Oberschicht zu schützen. Eine arme 74 jährige Frau wird auf Grund

der Besagung allerdings verhaftet, gefoltert und verbrannt. Mit dem Prozess um

Christina Plum finden die Kölner Hexenprozesse ein Ende­­­­­.

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in_memoriam

Dr. Andreas Schweygel

70, angesehen und gebildet, Rechtsgelehrter und Vogt

Zweifelt an der Rechtmäßigkeit vieler Hexenprozesse. Er versucht sie zu verzögern

und steht damit den Amtmännern im Weg.
Wird als „Teufelsdiener“ inhaftiert.
Schwere stundenlange Folter. Kein Geständnis.
Erneute schwere Folter in deren Folge Dr. Schweygel an den massiven Verletzungen stirbt.

Ein „zerfolterter Angeklagter“ dem „der Teufel das Genick gebrochen hat“.
Sein reiches Vermögen ­– testamentarisch den Armen der Stadt vermacht  – 

zieht das Gericht ein.
Wird mit seinem eigenen Pferd zur Gerichtsstätte geschleift und
„ ... auff das schandtlichst ...“ verbrannt.

Sommer 1636, Rheinbach

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in_memoriam

En Volmers

60, Hebamme

Der unerklärliche Tod eines schwachen Säuglings, sowie einer Wöchnerin und eine
Totgeburt (die allerdings lange Zeit zuvor stattfand) werden ihr zur Last gelegt.
Vernehmungsrichter deuten ihre Linkshändigkeit als Teufelsmerkmal, positive

Stimmen für die Angeklagte werden ignoriert.
Anklage wegen Hexerei und Schadenzauber. Verdacht auf Teufelspakt.
Erfoltertes Geständnis.
Wird am selben Tag wie En Konings – auch eine Kölner Hebamme  – hingerichtet.

27. Juli 1630 Köln, Melaten

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Entgen Lennarts

10, Vagabunierendes Bettelkind. Halbwaise
Vater tot, von der Mutter verlassen

Bezichtigt sich selbst als „Teufelsliebchen“ und gesteht nach ihrer Inhaftierung bei

Verhören das, was sie auf der Straße aufgeschnappt hat: Bündnis mit dem Teufel,

Schadenzauber und Teufelsbuhlschaft.
Zweimalige Folter. Verbleibt noch zwei Jahre in Haft.
Unmittelbar nach der Volljährigkeit (Geschlechtsreife) erfolgt ihre Verurteilung.

Enthauptet. Verbrannt.
18. Februar 1655, Köln, Melaten

Letzte Hinrichtung einer verurteilten Hexe in Köln.

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in_memoriam

God’s Gift (Gottesgeschenk)

ca. 14 Jahre alt

Für die Eltern ist die Geburt der Tochter ein Gottesgeschenk, daher
erhält sie ihren ungewöhnlichen Namen.
Als der Vater krank wird, eine neugeborene Schwester stirbt und immer weniger zu Essen da ist, sucht die Mutter Rat beim Priester.
Der Priester sagt God's Gift sei schuld an der Misere der Familie
und sie sei vom Teufel besessen.
Misshandlung, Folter und versuchter Mord mit der Machete
(von ihren Verwandten ausgeführt).
God’s Gift gesteht unter den Misshandlungen die Hexereivorwürfe
und flieht von zu Hause.

Sie lebt heute im Heim des Child's Right and Rehabilitation Networks, Nigeria und hofft, eines Tages nach Hause zurückkehren zu können.
2016, Nigeria, Eket, Niger-Delta

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in_memoriam

Johann Hansen

Heilkundiger und Scharfrichter

Einige von ihm hingerichtete Frauen sagten aus, ihn als „Schwarzen Hans“, einen Federhut tragend, bei Hexentänzen gesehen zu haben.
Da der Scharfrichter den Ablauf der Prozesse und der Folterungen gut kannte, gestand er sofort alles, was ihm zur Last gelegt wurde. Eine Chance zu entkommen gab es nicht.

Vermutlich am 3. September 1636 in Siegburg hingerichtet.

Die Siegburger Prozesswelle endete als der Hexenkommisar
Dr. Buirmann die Stadt verliess.
Johann Hansen war wohl das letzte Opfer.

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Tringen Vasen (Vaßbecker)

Wird von fünf anderen Angeklagten „besagt“. Weil sie nicht gestehen will,
setzt die Folter ein. Nach wiederholtem Aufziehen (an – auf dem Rücken gefesselten Händen), Beinschrauben und Peinstuhl (Nagelstuhl) gibt sie zu, eine Raupenplage in benachbarte
Gärten gezaubert zu haben „... hette irstlich Wasser, Erdt und Deufelsschmier darin gethan,
und werten daraus Ruppen worden ... und würden in Deufels Namen ausgeworfen ...“
Verurteilung wegen Schadenzauber. Erfoltertes Geständnis.


Erdrosselt. Verbrannt.
01. Dezember 1637, Siegburg, Brückberg

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in_memoriam

Abram Madibeng Phasa

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Soll seinen Bruder erschlagen haben um aus dessen Körper-teilen Muti (Medizin)
herzustellen. Wird vom Wahrsager und Medizinmann des Ortes
– nach Befragung eines Orakels – als Hexer entlarvt und von Nachbarn und
Verwandten auf der Straße gesteinigt.


14. Februar 1993, Driekop in Limpopo, Südafrika

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Peter von Rodenkirchen

11, Waisenjunge


Wird beim Opferstockdiebstahl erwischt und inhaftiert.
Erzählt dem Gericht von Hexensabbatbesuchen, wo es „Röggelchen“ und Fleisch gegeben habe, allerdings kein Salz. Berichtet phantasievoll von Zeremonien zur Abschwörung von Gott. Wird immer wieder zu Teufeln befragt und die Aufzeichnungen seiner Aussagen lassen heute auf wiederholten Missbrauch schließen.
Wird wegen Hasenzaubers, Schadenzaubers und Teufelsbuhlschaft verurteilt.
Verbleibt noch bis zur Volljährigkeit (Geschlechtsreife) knappe drei Jahre in Haft.

Enthauptet. Verbrannt.
18. Dezember 1647 (?) Köln, Melaten

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Catharina Bly (? sine cognomine)

30, wegen eines gelähmten Armes nicht arbeitsfähig.
Uneheliches Kind (wahrscheinlich als Folge einer Vergewaltigung)

Selbstbezichtigung als Hexe vor Beichtvätern in der Hoffnung
auf Almosen. Gesteht unsittliche Handlungen mit dem Teufel und den
Besuch vom Hexensabbat. Einige der Beichtväter werden hellhörig.
Sie verletzen das Beichtgeheimnis und zeigen Catharina an.
Festnahme durch die Inquisition. Inhaftierung.
Wird zum Geständnis von Hexenkunst (Schadenzauber/Wettermachen) gefoltert.


Erdrosselt. Verbrannt.
6. Februar 1630 Köln, Melaten

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Tringen Vogts

ca. 48 Jahre alt

Wird von drei bereits hingerichteten Frauen besagt.
Sie wird inhaftiert und gefoltert.
Insgesamt widerruft sie drei Mal ihre erfolterten Geständnisse, danach wird
die Tortur jeweils bis zum erneuten Geständnis fortgesetzt.
Sie äußert Selbstmordabsichten: ... wünscht sich zu essen und zu trinken,
dass sie daran bersten möge ...
Zwei Teufelsaustreibungen und weitere Folter.
Gesteht, weil sie kein Entkommen sieht und weiteren Befragungen entgehen will.
Sie besagt unter der Folter 11 weitere Frauen, von denen drei bereits verbrannt sind.
Geständnis. Todesurteil. Erhängt. Verbrannt.

1638 Siegburg, Galgenberg