Pfeffer im arsch*

Installation: Pfeffer im Arsch, Ausstellung Nexus III, Festung Ehrenbreitstein, Koblenz
Installation: Pfeffer im Arsch, Ausstellung Nexus III, Festung Ehrenbreitstein, Koblenz

Wie ein Militärpferd beschaffen sein sollte war schon Mitte des 18. Jahrhunderts schriftlich festgelegt. Wobei nicht nur die Fellfarbe wichtig war, schließlich konnte man von der Farbe des Pferdes auf seinen Charakter schließen, sondern auch viele weitere Eigenschaften waren definiert. So sollte ein gutes Militärpferd „fromm“ sein – ein tückisches Pferd sei schließlich gefährlich im Umgang mit dem Menschen. Es sollte beherzt sein – denn feige Pferde seien als Soldatenpferde gänzlich ungeeignet. Die Lebhaftigkeit des Pferdes aber galt als herausragend positives Merkmal, denn trägen Pferden „ ...mangele es an der Motivation zur Vollkommenheit ...“

 

Die Rheinische Train-Abteilung Nr. 8 war zeitweilig auf Ehrenbreitstein untergebracht. Ihr unterstand unter anderem die Ausbildung der jungen Pferde, wie auch die Pferdebeschaffung.

 

Gut  100.000 Pferde zählte um 1900 der Gesamtbestand im kaiserlichen Heer. Der Pferdehandel stand in voller Blüte und Täuschungsmanöver um die Pferde geeigneter für den Militärdienst erscheinen zu lassen waren weit verbreitet. In Handbüchern zur Militärpferdausbildung findet man warnende Hinweise vor sogenannten „Rosstäuschereien“.

 

„...Es ist ein großer Uebelstand, wenn das Pferd den Schweif im Gehen zwischen die Beine ziehet, welches noch dazu ein Merkmal seiner Schwäche ist; um das also zu behindern, beißen sie ein Pfefferkorn durch, und stecken die Hälfte dem Pferde unvermerkt in Hintern, die andere Hälfte aber behalten sie im Maule. So lange das Pfefferkorn ihnen auf der Zunge beißet, spüret auch das Pferd ähnliche Empfindung davon, wodurch es den Schweif in die Höhe und vom Leibe wegzutragen gereizet wird.“ (Johann Gottfried Prizelius  1777)

 

Die unehrenhaften Gaunereien der Händler waren immer darauf ausgerichtet, die Pferde wie solche von edelster Rasse und großem Temperament erscheinen zu lassen. Dazu wurde die Mähne oder graue Haare über den Augenbögen alter Tiere überfärbt, tiefliegende Augengruben „aufgeblasen“, Fohlenzähne ausgebrochen oder die Zähne alter Tiere abgefeilt. Operationen um die Form der Ohren zu richten gehörte zu den gängigen Methoden der Rosstäuscherei wie auch medikamentöse Aufputschmittel.

 

Im Stall den Ines Braun eingerichtet hat, sind zwei Kreaturen angebunden, mit denen die Rosstäuscher noch einige Arbeit haben werden. Obwohl den Tieren doch eine Mähne Wildheit verleiht, fehlt ihnen doch ein Quentchen Lebhaftigkeit. Man könnte es ja einmal mit einem Pfefferkorn versuchen ...

 

* aus dem Pferdehandel stammende Redewendung