Rasestandards und Normen für das Deutsche Mauerblümchen

18 Objekte, Texte

Dieses Projekt zeigt, dass die mit patentierten Genen und Rassestandards einhergehende Beherrschbarkeit der Natur nur scheinbar gegeben ist.
Alle Mauerblümchen sind durch gezielte Eingriffe ins Erbgut nutzbar gemacht worden, gleichzeitig sind sie nach Frauen benannt, die tatsächlich existiert haben.

Diese Namenspatinnen lebten oft lange Zeit in der Mitte der Gesellschaft, doch hinter der bürgerlichen Fassade verbarg sich ein Abgrund: Sie mordeten aus

Geltungssucht, Enttäuschung, Gier oder einfach zum Zeitvertreib und dabei waren sie genau so „giftig“ wie es auch die Mauerblümchen sind.

 

Die Mauerblümchen in der Ausstellung "Letzte Runde", Mittelrhein-Museum, Koblenz
Die Mauerblümchen in der Ausstellung "Letzte Runde", Mittelrhein-Museum, Koblenz
Mauerblümchen in der Ausstellung "Altbekannte Unbekannte" im Kunstverein Wesseling
Mauerblümchen in der Ausstellung "Altbekannte Unbekannte" im Kunstverein Wesseling

 

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Zum Rassestandard des Deutschen Mauerblümchens

Die Mauerblümchen werden in zwei große Gruppen unterteilt. Man spricht von Vertikal- und Horizontalgewächsen.
Jedes Mauerblümchen hat ein bestimmtes Aussehen und unverwechselbare anatomische Merkmale. Der vorliegende Rassestandard bestimmt,
welche spezifischen Merkmale zusammen gehören und für eine Gruppe von Gewächsen typisch sind.
In diesem Leitfaden sind einige dieser Merkmale sowie die gröbsten zuchtausschließenden Fehler aufgelistet.Der Rassestandard legt in erster Linie
das Erscheinungsbild (Phänotyp) eines Individuums fest. Es setzt sich aus der Summe aller äußerlich feststellbaren Merkmale zusammen.
Der Standard ist eine zuchtbegleitende Grundlage für eine gute und gesunde Rassezucht. Sie hat die Aufgabe, die bestehenden Rassen zu erhalten bzw.
zu festigen. Der Standard liefert das Idealbild eines Lebewesens, das allerdings nur in seltenen Ausnahmefällen in allen Kriterien erreicht werden kann.
Veränderungen und freie Entwicklung werden durch die Festlegung des Standards unterbunden. Der Status quo gilt als Optimum, spontane Mutationen –
die Triebkraft der Evolution – werden negiert. Was bleibt ist ein immer gleicher Bodensatz an Erbinformationen, der letztendlich Individualität nur
als notwendiges Übel zugunsten einer Masse von austauschbaren Produkten akzeptiert.

DMG-Standard Nr. 01.1c/BRVG/3008-08
Brinvilliers-Mauerblümchen1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 30.08.2008
Verwendung: In Laboren der Pharmaforschung gezüchtet.
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion C (Brust-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Lange Zeit wurde mit der Digoxinähnlichen Substanz, die aus den Brustbeeren des Gewächses gewonnen werden kann, experimentiert. Nach der eher zufälligen Entdeckung der verheerenden Nebenwirkungen wurde das Gift in Forschungsreihen ersetzt und die Zucht des Brinvillers-Mauerblümchens weitgehend eingestellt.

Erscheinungsbild: Vorzügliche Proportionen, sehr vornehmer und adeliger Gesamteindruck.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Scheitel:    Gerundet, auf gleicher Höhe.
Corona:    Violett glänzend mit kreisrunden Aussparungen, dreieckig-gerundet.
Primus:    Liegt hinter der Corna verborgen.
Collum:    Von gut entwickelter Länge, parallel verlaufend und deutlich geriffelt.
Korpus
Schulter:    Von guter Breite, im rechten Winkel zum Collum gelagert.
Kragen:    Trocken, schmal und ebenmäßig.
Gefäß und Brust: Fast kreisrund mit strahlenförmigen Aussparungen in deren Zentrum die violetten Giftbeeren sitzen. Deutlich ausgeprägte, transparente Brustkuppeln, die über die Beeren gewölbt sind.
Lippe:    Schräg ansteigend, parallel verlaufend und kräftig, leicht hängender Pol.
Meridian:    Geschlossen bis spaltbreit geöffnet, mit langen Haaren besetzt.

Zuchtausschließende Fehler: Schwach entwickelte Beeren, Trübe Brustkuppeln.

1 Die Marquise de Brinvilliers wurde wegen der Vergiftung ihres Vaters, ihrer zwei Brüder und des Versuchs, ihre Schwester zu ermorden, verurteilt. Aufgedeckt wurden die Mordfälle durch einen Zufall. Weitere Giftmorde und Mordversuche wurden ihr nachgesagt, konnten aber nie bewiesen werden. Sie wurde zum Tod auf dem Schafott und zur Wasserfolter verurteilt, damit sie noch eventuelle Mitwisser preisgäbe. Nach der Hinrichtung am 17. Juli 1676 wurde ihr Körper verbrannt und ihre Asche in alle Winde verstreut.

DMG-Standard Nr. 01.2a/RVG/2508-08
Margarete Beier-Mauerblümchen 1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 25.08.2008
Verwendung: Medizinische Nutzung
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion A (Rippen-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Nach der Entdeckung der Gifteinlagerung wurde das Grete Beyer-Mauerblümchen zu Forschungszwecken und für die medizinische Nutzung gezüchtet. Auch die genetische Verändeung (Amt für Pflanzenmodifikationen und Zuchtnormen, Köln, Nr.: MA/RVG 01.2a-2508-08) konnte das bei Verletzung austretende Giftgas nicht unter Kontrolle bringen. Nach dem Tod einiger Laboranten ist die Zuchtreihe vorerst eingestellt.

Erscheinungsbild: Mittelgroßes Vertikalgewächs mit kräftigem Korpus und leicht
verkleinertem Aufbau. Harmonische und zartfarbige Gesamterscheinung.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Scheitel:    Gleichmäßig gefranste Kante, schwach ausgeprägte Rundung.
Corona:    Tulpenförmig aufgerichtet und elegant mit regelmäßigen Aussparungen.
Primus:    Halbkugelförmig in perfekter Harmonie mit der Corona.
Collum:    Geschwungen und leicht konisch zulaufend. Am Übergang zum Primus ein
hängendes Scheinkläppchen.
Korpus
Schulter:    Doppelschulter, leicht aufgezogen, trockener und gerader Verlauf.
Kragen:    Ebenmäßig, leicht zurückgesetzt.
Lippe:    Im Ansatz kräftig, dann parallel verlaufend. Gerader Pol.
Rippe:    Deutliche Doppelrippe, die in der oberen Hälfte zusammenwächst.
Schuh:    Nicht ausgebildet.

Zuchtausschließende Fehler: Rippenlosigkeit oder einfache Rippe, Knick-Coronen.

1 Marie Margarete Beier setzte ein gefälschtes Testament ihres Bräutigams auf und vergiftete ihn am Vortag der Hochzeit mit Zyankali, schoss ihm dann mit einem Revolver in den Mund, um seinen Suizid vorzutäuschen. Unmittelbar nach der Tat verschickte sie gefälschte Briefe, um den Suizid glaubhaft zu machen. Grete Beier wurde am 23. Juli 1908 im Alter von 22 Jahren guillotiniert.


DMG-Standard Nr. 01.3a/RVG/0610-08
Genene Jones-Mauerblümchen 1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 06.10.2008
Verwendung: unbekannt
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion A (Rippen-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Die frischen Coronen des Genene Jones-Mauerblümchens sind Säuglingen oft als Schnullerersatz gegeben worden. Durch die Verletzung der Außenhaut, was oft durch Bisse der Kinder geschah, wurde eine schwach zyankalihaltige Schicht freigelegt. Viele Kinder sind allmählich an dem Gift erkrankt und gestorben.

Erscheinungsbild:    Kompaktes, mittelgroßes Gewächs. Farblich überzeugender Dreiklang mit spektakulären Coronen.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Scheitel:    Harmonisch gewölbt.
Corona:    Kompliziert geformt, transparent und von gummiartiger Substanz.
Verströmt ein leichtes Fruchtaroma.
Primus:    Klein und knollenförmig in den Korpus mündend.
Collum:    Halbkugelförmig und sehr symmetrisch gewölbt. Ziegelfarben bis blutrot gefärbt.
Korpus
Schulter:  Gut abgesetzt und sehr ebenmäßig verlaufend. Schulterdornen angelegt.
Kragen:    Nicht ausgebildet.
Lippe:    Mäßig lang und geschwungen, mit Aussparungen und leichter Pigmentierung versehen.
Rippe:    Vertikal ansteigend. Im Ansatz mit deutlicher Rippenzehausbildung.
Schuh:    Zurücktretender Hemmschuh. Kaum ausgebildet.

Zuchtausschließende Fehler: Trübe Coronen.

1 Genene Jones verabreichte Säuglingen und Kleinkindern per Injektion Medikamente, die zu einem lebensbedrohlichen Zustand führten, um diese dann anschließend zu „retten“. Insgesamt gab es 46 verdächtige Todesfälle, mit denen die Krankenschwester in Zusammenhang stehen könnte. Sie wurde 1985 lediglich wegen zwei Tötungen angeklagt und zu 99 und 60 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Aufgrund der Tatsache, dass die Verwaltung des Krankenhauses nach Bekanntwerden der Fälle alle Aufzeichnungen und Patientenakten für den fragliche Zeitraum vernichtete, konnten die übrigen Fälle nie geklärt werden.

DMG-Standard Nr. 01.3c/BRVG/2608-08
Swinka-Mauerblümchen 1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 26.08.2008
Verwendung: unbekannt
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion C (Brust-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Das Gewächs wurde aufgrund seiner haptischen Qualitäten Kindern oft zum Spielen gegeben. Leider kam es immer wieder zu Zwischenfällen, bis im Gewebe-schwamm eine leichte Cicutoxinkonzentration nachgewiesen werden konnte. Daraufhin brach die Nachfrage ein und das Swinka-Mauerblümchen droht in Vergessenheit zu geraten.

Erscheinungsbild:    Gedrungene Gestalt mit vielen Rundungen. Kompakte, ausgewogene und weiche Anmutung.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Scheitel:    Abgerundet, keine Ausdehnung nach vorne.
Corona:    Spiralförmig gedreht, nach vorn oder hinten ausgedehnt. Zierlich und federartig.
Primus:    Stark abgesetzt, verbindet sich mit dem Collum immer an dessen höchster Stelle.
Collum:    Kräftig, kurz und dunkel gefärbt. Obere Kante bildet einen perfekten Bogen.
Korpus
Schulter:  Mit fellartigen Haaren besetzt. Charakteristisches Merkmal.
Kragen:    Gerade und horizontal verlaufend.
Gefäß und Brust: Rund und weich ausgebildet, kompakt und klar modelliert. Mit runden  Aussparungen. Im rechten Flügel oft unregelmässig. Brustkuppeln fehlen.
Lippe:    Schmal im Ansatz, allmählich breiter werdend. Mittellang mit geradem Pol.
Meridian:    Geschlossen, gerade und senkrecht verlaufend.

Zuchtausschließende Fehler: Fehlende Schulterhaare.

1 Irmgard Swinka lernte ihre Opfer kennen, indem sie erzählte, sie suche in den Nachkriegswirren nach einer Bekannten. Die Angesprochenen, geschwächt von den Hungerjahren, erhielten nun von der Unbekannten Hilfe: Sie löste „Vitamintabletten“ und „Stärkungspräparate“ in Wasser auf und gab sie den meist weiblichen Opfern zu trinken. Anschließend raubte sie den toten oder betäubten Frauen Geld, Wertgegenstände und Lebensmittel. Irmgard Swinka wurde wegen vierfachen Mordes, Totschlags sowie zehnmaligen Mordversuchs am 7. Mai 1949 zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde – nach Abschaffung der
Todesstrafe in Deutschland – in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.


DMG-Standard Nr. 01.4c/BRVG/0709-08
Trufania-Mauerblümchen 1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 07.09.2008
Verwendung: Rhythmusinstrument
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion C (Brust-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Getrocknete und ausgehöhlte Exemplare dieses Gewächses sind – mit Steinen gefüllt – als Rhythmusinstrumente mit sehr charakteristischem Klangbild eingesetzt worden. Etliche Todesfälle traten beim Aushöhlen des Trufania-Mauerblümchens aufgrund von sporadisch eingelagertem Taxiferin auf.

Erscheinungsbild:    Bizarre und sehr wehrhafte Anmutung. Die Rasse wirkt durch ihre
metallische Oberfläche äußerst widerstandsfähig.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Scheitel:    Punktförmig auf zwei der 4 Coronen verteilt.
Corona:    4 stark verkleinerte Coronen, rundlich mit Aussparungen.
Primus:    Sitzen als Gelenk in je einer Corona verborgen.
Collum:    Lang und gebogen. Gut abgesetzt und von vorzüglicher Eleganz.
Korpus
Schulter:    Nahezu horizontal gestellt, gleichmäßig nach vorne gerundet. Fellbesetzt.
Kragen:    Wenig betont, gegenüber dem Korpus leicht nach hinten abgesetzt.
Gefäß und Brust: Linker und rechter Flügel sind verschieden. Nur eine Brustkuppel ist
ausgebildet, die andere Seite trägt den vergrößerten und vorgewölbten Korpus.
Lippe:    Fehlt vollständig. Besonderes Rassemerkmal. Ansätze bei manchen Exemplaren sichtbar.
Meridian: Auf 2/3 der Länge geschlossen, nach unten geöffnet. 

Zuchtausschließende Fehler: Ungleichmäßig geschwungene oder geknickte Colli.
Seitlich vorstehende Lippenansätze.

1 Die mörderischste aller Giftmischerinnen dürfte Trufania aus Neapel gewesen sein. Von ihr wird berichtet, daß sie um 1700 für die Vergiftung mehrerer hundert Männer verantwortlich gewesen sei. Sie hatte das Gift auch vielen anderen Frauen gegeben, die damit ihre Ehemänner umbringen konnten. Trufania wurde im Alter von 70 Jahren 1723 mit der Garotte hingerichtet.

DMG-Standard Nr. 01.2c/BRVG/3008-08
Ursinus-Mauerblümchen1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 30.08.2008
Verwendung: unbekannt
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion C (Brust-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Das Ursinus-Mauerblümchen produziert zur Blütezeit ein schnell wirkendes Nervengift, das im Gefäßschwamm gelagert ist. Viele Todesfälle gab es durch Spinnenbisse. Diese Tiere ernähren sich während ihrer Entwicklungs-

phase vom Ursinus-Mauerblümchen, um das Gift aufzunehmen und später gegen Angreifer und Beute einzusetzen.

Erscheinungsbild:    Ebenmäßiges, majestätisches Gewächs mit zarten Coronen und starker Betonung der Vertikalen.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Scheitel:    Deutlich abfallend gerundet, immer transparent.
Corona:    Tropfenförmig, mit transparentem Kometenschweif, der bogenartig geformt ist.
Primus:    Nach unten ausgestellt, starke Querbänderung.
Collum:    Gerade und parallel. Von einer guten Länge im Verhältnis zum Korpus.
Korpus
Schulter:    Mäßig abgesetzt. Horizontal und sehr gerade verlaufend.
Kragen:    Nicht ausgebildet.
Gefäß und Brust: Trotz Rundung stark geometrische Anmutung. Die durch gleichmäßige Aussparungen betonte Brust ist nicht zu transparenten Kuppeln ausgebildet.
Lippe:    Im rechten Winkel aus dem Korpus wachsend. Pole nach oben gezogen.
Meridian:    Geschlossen und auf 4/5 der Höhe zusammengewachsen.

Zuchtausschließende Fehler: Ausgeprägter Kragen. Offener Meridian.

1 Sophie Charlotte Elisabeth Ursinus hatte mutmaßlich ihren Ehemann, ihre Tante und ihren Geliebten mit Arsenik ermordet und einen Giftanschlag auf ihren Diener verübt. 1833 wurde sie nach dreißigjähriger Haft begnadigt und starb 1836 als Mitglied der besseren Gesellschaft in Glatz.


DMG-Standard Nr. 01.1b/ZVG/0109-08
Cotton-Mauerblümchen1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 01.09.2008
Verwendung: Rauschmittel
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion B (Zwerg-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Die stark halluzinogene Wirkung des getrockneten Gewächses täuschte zunächst über die schwache Arsenikeinlagerung hinweg. Zucht und Vertrieb des Cotton-Mauerblümchens wurden erst eingestellt, nachdem etliche Todesopfer zu beklagen waren.

Erscheinungsbild:  Zierlich-harmonische Gesamterscheinung mit einem Hauch Extravaganz. Sehr fein und äußerst symmetrisch angelegt.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Antenne: Bogenförmig, gleichmäßig und ohne Verjüngung um den Korpus verlaufend. Dunkel gefärbt, filigran und edel.
Rispeln:  Am Ende jeder Antenne eine kreisrunde Rispel.
Schulter:    Sanfter Bogen, an dem übergangslos die Antennen ansetzen. Stark schräggestellt und nach oben zur Spitze auslaufend.
Augen:    Mit dichtem, meist hell gefärbtem Haar besetzt.
Korpus
Bogenlinie: Stark nach innen gewölbt, schlanke und bewegte Anmutung.
Meridian: Linker und rechter Flügel werden nur auf einer Kontaktschwelle in der unteren Hälfte des Korpus verbunden. Oval gerundet mit Öffnung nach oben.
Rücken: Gerade und flach, rechter und linker Flügel auf einer Höhe.
Schuh: Gebogene Linie, die sich harmonisch aus der Biegung des Korpus ergibt.
Nicht abgesetzt.

Zuchtausschließende Fehler: Knickantennen. Unbefellte Augen (Kahlaugen).

1 Mary Ann Cotton vergiftete 20 Menschen mit Arsen, inklusive ihrer vier Ehemänner, zwei bis drei ihrer Liebhaber, ihrer Mutter und alle 9 eigenen Kinder. Ihr Name wurde zum Synonym für Arsenvergiftungen. Mary Ann Cotton wurde im Jahre 1873 in Durham mit der „Short drop“ gehängt. Die Delinquentin fiel also nur eine kurze Strecke, als die Falltür aufsprang. Es dauerte mehrere Minuten, bis sie schließlich bewusstlos wurde.

DMG-Standard Nr. 01.2b/ZVG/1009-08
Gottfried-Mauerblümchen1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 10.09.2008
Verwendung: Speisegewächs
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion B (Zwerg-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Dieses schmackhafte Gewächs wurde trotz toxischer Bestandteile als Speiseknolle genutzt. Bei unsachgemäßer Zubereitung waren schon kleine Mengen von tödlicher Wirkung. Etliche Opfer haben die Ankunft des Notarztes nicht mehr erlebt.

Erscheinungsbild:    Zarte, elfengleiche Gesamterscheinung mit dynamisch geschwungenen Antennen und rhythmisch gegliederten Rispeln.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Antenne:    Rauchig transparent, zu den Schultern hin schmaler werdend. Trägt fünf
schräggestellte Rispeln. An den Enden reinweiße, nachwachsende Ableger.
Rispeln:    Länglich-ovale Aussparungen, die parallel verlaufen und dem Gewächs
eine seltene Eleganz verleihen.
Schulter:    Wenig abgesetzt, sehr harmonischer Übergang zum Korpus.
Korpus
Bogenlinie: Auswärts gewölbt mit einem seitlich vorstehenden Höcker auf jeder Seite. 
Mandelförmig aufrechter Korpus.
Meridian:  Offen. Nur an einer zentrieren Kontaktschwelle des Korpus zusammengewachsen.
Rücken:  Gerade, ohne Wölbung, aber mit starker Strukturierung des inneren Bereiches.
Ränder Glatt, linker Flügel mit zwei vertikal untereinander sitzenden Augen.
Schuh: Gut ausgebildet und abgesetzt, mit gerade Abschlusskante.

Zuchtausschließende Fehler: Opaque Antennen. Unregelmäßige Rispeln.

1 Gesche Margarethe Gottfried vergiftete durch „Mäusebutter“ (Fett mit Arsenkügelchen) fünfzehn Menschen. Darunter ihre Eltern, ihre beiden Ehemänner und Kinder. Während der Leidenszeit ihrer Opfer ­– Gottfried wurde zunächst nicht verdächtigt – wurde die fürsorgliche Frau in ihrer Umgebung „Engel von Bremen“ genannt. Was sie zu diesen Taten trieb ist bis heute ein Rätsel. An Gesche Gottfried wurde 1831 die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen vollzogen.


DMG-Standard Nr. 02.2b/TUHG/0110-08
Przygodda-Mauerblümchen 1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 01.10.2008
Verwendung: Pelzlieferant
Klassifikation: Gruppe 2  (Horizontalgewächse)
Sektion B (Sohlen-Horizontalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Dieses Gewächs ist als Pflanzenpelzlieferant in die Geschichte eingegangen. Die Krone wurde durch genetische Manipulationen (Amt für Pflanzenmodifikationen und Zuchtnormen, Köln; Nr. MA/TUHG 02.2b-0110-08) vergrößert, konnte aber nicht gleichzeitig entgiftet werden. Durch das – in den Grannen – eingelagerte Gift sind bei der Ernte der Pflanze viele Arbeiterinnen ums Leben gekommen.
Die Versuche mit dem Gewächs dauern bis heute.

Erscheinungsbild: Außergewöhnliche, stark strukturierte und haptisch ansprechende Gesamterscheinung.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Krone:  Pelzartig und dicht von dunkler Farbe.
Deutliche Grannen.
Glocke:  Zur Basis breiter werdend, mit zwei Aufsitzerhaken. Basis farblich abgesetzt.
Schaft:  Rudimentär vorhanden, ist mit dem unteren Teil der Glockenbasis verwachsen.
Fuß:  Blütenförmig mit sechs aufragenden Tragekeilen.

1 Aus Habgier vergiftete Anna Przygodda mit Arsen und anderen Giften zwischen 1885 und 1900 mindestens drei ihrer fünf Ehemänner und vermutlich einige ihrer Kinder. Ihr fünfter Mann schöpfte Verdacht. Im Juni 1903
wurde Anna Przygodda, die als „weiblicher Blaubart“ bezeichnet wurde, von einem Schwurgericht in Allenstein zum Tod verurteilt und im Gefängnishof hingerichtet. Bis zuletzt hatte sie die Giftmorde bestritten.

DMG-Standard Nr. 02.2a/TUHG/0610-08
Christa Lehmann-Mauerblümchen 1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 06.10.2008
Verwendung: Schmucksteinlieferant
Klassifikation: Gruppe 2  (Horizontalgewächse)
Sektion A (Turm-Horizontalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Das eisenharte Innere der Krone (Kronballen) ist durch genetische Verände-rungen zu marmorierten Perlen umgestaltet worden (Amt für Pflanzenmodifikationen und Zuchtnormen, Köln; Nr.: MA/TUHG 02.2a-0610-08). Diese Perlen erfreuten sich aufgrund ihrer Schönheit großer Beliebtheit, bis die sporadisch auftretende Blausäureeinlagerung einige Trägerinnen das Leben kostete. Es gibt Hinweise darauf, dass im Geheimen an der Zuchtreihe weitergeforscht wird.

Erscheinungsbild: Futuristisch anmutendes, sehr schlichtes Horizontalgewächs von exquisiter Farbigkeit.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Krone:    Verhältnismäßig klein ausgebildet. Buschig
wachsend mit lebhaft-farbigem Kronenmund.
Glocke:    Reduzierte, sehr schlichte Form mit deutlich
abgesetzter Schulter.
Schaft:    Sich nach unten verjüngend, Standfläche mit
4 Raketenausläufern.
Fuß: Nicht ausgebildet.

1 Christa Lehmann tötete nachweislich 4 Menschen mit dem Pflanzenschutzmittel E 605. Am 20. September 1954 begann der Prozess gegen sie und endete mit der Verurteilung zu lebens-langer Haft. Nach 23 Jahren wurde sie entlassen und lebt seitdem unter anonymer Identität in Freiheit.

DMG-Standard Nr. 02.1b/TUHG/3008-08
Nannie Doss-Mauerblümchen 1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 30.08.2008
Verwendung: Essbare Knolle
Klassifikation: Gruppe 2  (Horizontalgewächse) 
Sektion B (Sohlen-Horizontalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Die essbare Knolle des Doss-
Mauerblümchens lagert alle aus dem Boden oder der Luft absorbierbaren Giftstoffe im süßlich schmeckenden Fruchtfleisch ein. Dadurch kann das Gewächs als Güte-
indikator für Bodenbelastungen herangezogen werden.
In der Nähe von kontaminierten Böden sind jedoch
etliche Vergiftungsfälle zu beklagen.

Erscheinungsbild: Auffällig gefärbte und koboldhafte
Erscheinung mit knolligem, orangerotem Schaft.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Krone:  Schopfartig und buschig wachsend. Goldocker bis hellbraun gefärbt. Vereinzelte lange Grannen.
Glocke:  Basis kreisrund. Öffnung zum Kronenmund
schlitzförmig.
Schaft:  Stark abgesetzt und in neun Segmente unterteilt, bauchig gewölbt und stark farbig. Orange bis bräunlich.
Fuß: Nicht ausgebildet.

1 Nannie Doss („Arsenic Annie“) vergiftete neben ihren fünf Ehemännern noch ihre Mutter, zwei Schwestern, drei ihrer Kinder und Enkelkinder sowie einen Neffen. Nannie gestand später nur die Morde an ihren Männern, die sie damit begründete, dass sich keiner als ihr Traummann erwiesen hatte. Ihr wurde nur wegen Samuel Doss der Prozess gemacht und sie wurde schließlich in Oklahoma wegen Mordes verurteilt. Nannie Doss starb 1965 im Alter von
59 Jahren im Gefängnis an Leukämie.


DMG-Standard Nr. 01.5c/BRVG/2112-08
Martha Marek-Mauerblümchen1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 21.12.2008
Verwendung: Brennmaterial
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion C (Brust-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Da die getrockneten Gewächse dieser Rasse sehr gut und lange brennen, sind die Marek-Mauerblümchen oft als Befeuerung für private Öfen eingesetzt worden. Die extrem giftigen und hochexplosiven Dämpfe, die beim Abbbrennen entstehen, haben viele Menschen das Leben gekostet.

Erscheinungsbild:  Schlichte Eleganz verbindet sich mit effektvoller Formgebung und exquisiter Farbigkeit zu einem höchst ausdrucksvollen Gewächs.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Scheitel:    Gerundet. Von violetter oder roter Färbung.
Corona:    Klein. Fingerförmig mit horizontal umlaufenden Rillen. Rötlich bis Violett.
Primus:    Unauffällig, im Inneren des Collum-Korpus verborgen.
Collum:    Leicht abgesetzt. Verbindet sich übergangslos mit dem Korpus.
Korpus
Schulter:  Nicht ausgebildet.
Kragen:  In den Korpus integriert.
Gefäß und Brust: In der unteren Hälfte stark verbreitert. Voll ausgebildete Brust ohne Kuppeln. Aussparungen regelmäßig und zentrisch angeordnet.
Lippe:  Nicht ausgebildet. Auch Ansätze sind nicht vorhanden.
Meridian:  Offen, im oberen Bereich stark geweitet. Nur im unteren Fünftel verwachsen.

Zuchtausschließende Fehler: Sichtbarer Collum. Scheckung oder Weißpigmentierung des Korpus.

1 Martha Marek war für schuldig befunden worden, vier Menschen mit dem Rattengift „Zelio“ vergiftet zu haben: ihren Mann, ihre Tochter, eine Verwandte und eine Untermieterin, die sie alle nacheinander beerbte. Der Sohn der Untermieterin schöpfte Verdacht und wandte sich 1936 an die Polizei. Martha Marek wurde am 6. Dezember 1938 mit dem Fallbeil hingerichtet.

DMG-Standard Nr. 01.1a/RVG/1908-08
Zwanziger-Mauerblümchen1

 

Datum der Festlegung des gültigen Original-Standards: 19.08.2008
Verwendung: Ziergewächs
Klassifikation: Gruppe 1 (Vertikalgewächse) / Sektion A (Rippen-Vertikalgewächse)
Geschichtlicher Abriss: Das Zwanziger-Mauerblümchen ist aufgrund seiner floralen
Schönheit als Ziergewächs kultiviert worden. Mit der Blütezeit wandelt sich das harmlose Gewächs jedoch und wird durch eine starke Blausäureabgabe über die Gefäßwand äußerst gefährlich. Nachdem immer wieder Todesfälle auftraten, ist die Zucht heute Spezialisten vorbehalten.

Erscheinungsbild: Mittelgroßes, florales Gewächs mit bestechenden Coronen und
eleganter Farbgebung.

Anatomische und rassespezifische Merkmale
Aufbau
Scheitel:    Flach gerundet, von den obersten Lamellen der Corona gebildet.
Corona:    8 Lamellen blütenförmig aufgefächert, harmonisches Erscheinungsbild.
Primus:    Stets unter Lamellen verborgen, tragen herabhängende Scheinwurzeln.
Collum:    Breit, länglich und grau mit Pigmentierung.
Korpus
Schulter:    Nahezu gerade verlaufend, gut abgesetzt.
Kragen:    Nicht ausgebildet.
Lippe:    Von gut entwickelter Länge, leicht geschwungen, mit harmonisch gerundetem Pol.
Rippe:    Lang, gut ausgeprägt und fein in den Korpus auslaufend.
Schuh:    Prägnant aber fein, stark abgesetzt.

Zuchtausschließende Fehler: Dreifarbigkeit oder Scheckung. Schwache Corona.

1 Anna Margaretha Zwanziger konnten mindestens 6 Morde durch Arsen nachgewiesen werden. Sie vergiftete in erster Linie die Frauen ihrer Arbeitgeber (da sie selbst auf eine Ehe hoffte) aber auch Dienstboten, Besucher und schließlich die Arbeitgeber selber. Zwanziger selbst bestritt die Morde – sie wollte die Opfer „nur“ krank machen und bestrafen. Sie wurde 1811 enthauptet.